Samstag, 15. Oktober 2011

Einzelzeitfahren / Teamzeitfahren Hamburg – Berlin 2011

Bereits die Zugfahrt nach Hamburg war amüsant und kurzweilig, was unter anderem auch daran lag, dass gestandene Randonneure mit gelben Warnwesten auf "das kühle Blonde" frönende Eisensch... in einem Wagon zusammentrafen.
Die Unterkunft in Altengamme war schnell erreicht und nach einem gemeinsamen Bier mit dem Team "Westwind-Riders" traten wir gegen 22.00 Uhr die Nachtruhe an.
Ein tiefer und fester Schlaf wollte sich leider nicht einstellen, so verging die kurze Nacht recht unruhig.
Um 5:20 Uhr klingelte mein Wecker und die innere Unruhe katapultiere mich aus dem Bett.
Das "Fährhaus Altengamme", wo der Startpunkt des Einzelzeitfahren / Teamzeitfahren Hamburg – Berlin war, lag zum Glück nur wenige Meter entfernt.
Dort gab es ein reichhaltiges und vielseitiges Frühstück. Reges Treiben beherrschte das Fährhaus, hatten sich doch nicht weniger als 300 verrückte Fahrer zur Veranstaltung angemeldet.

"Berlin-Pankow-Racer" Team
Die Teams und Einzelfahrer wurden im Minutentakt auf die Strecke geschickt.
Unser Start erfolgte zusammen mit einem Einzelfahrer (rote Jacke) um 6:43 Uhr.  


Bei arktischen Temperaturen verschwanden wir in der Dunkelheit. Der Garmin führte uns sicher über die Elbe und wies uns den weiteren Weg.
Mit Faltkarte und handgeschriebenem Tourenplan mag ich mir solche Touren gar nicht vorstellen wollen.
Wir fuhren entlang der Elbe und langsam begann es aufzuhellen.
Um 7:44 Uhr würde die Sonne aufgehen und innerlich hoffte ich, dass dann die Temperatur steigen würde.
Das Team "Westwind-Riders" schluckte uns später, als von mir erwartet.
Nun hingen wir erstmal im Zug vom "Garmin™Schorsch", der flott und ungestüm unterwegs war.
Die abweichende Streckenplanung der Teams kam uns recht entgegen, da wir das hohe Tempo sicher nicht bis Berlin Dömitz hätten halten können.
So waren wir ab Neu Darchau wieder alleine unterwegs. Wir waren leicht überrascht, wie hüglig es direkt an der Elbe auf dem Weg nach Hitzacker war und sammelten einige Höhenmeter ein.
Nach dem Überqueren der Elbbrücke erreichten wir nach knapp 3 Stunden Fahrt die  Zwischenkontrolle vor Dömitz.
Da es trotz Sonnenschein und blauem Himmel immer noch sehr kalt war, freuten wir uns über den angebotenen Kaffee und pausierten gute 10 Minuten.
Die Temperaturaufzeichnung bestätigte später, was wir bereits während der Tour spürten.
Während der ersten 2,5 Stunden lag die Temperatur immer unter 0 Grad. Es war bitter kalt und die Kälte zerrte an unseren Kräften.
Weiter ging es in Richtung Wittenberge. Das Gelände wurde zunehmend offener, kein Wald der uns vor dem stetig aus SO kommenden Wind Schutz bot. Das machte sich auch in der abnehmenden Reisegeschwindigkeit bemerkbar.
Vor Havelberg machte es an Christians Rennrad "Plonk" und wenig später deutete das nach links und rechts schlagende Hinterrad darauf hin, das irgendetwas defekt war.
In Havelberg steuerten wir wie eingeplant einen Supermarkt an, um die Flaschen zu füllen und eine Kuchenpause einzulegen.
Hier offenbarte sich die Misere am Hinterrad komplett. Eine Speiche war direkt am Speichennippel abgerissen.
Der örtliche Fahrradhändler hatte leider bereits geschlossen. Christian setzte also mit geöffneter Bremse und defektem Hinterrad die Reise Fahrt fort.
Weitere 100 Kilometer lagen noch vor uns. Die Landschaft bot leider keine optischen Anreize oder eine interessante Abwechslung. Mein Kopfkino geriet ins Stocken und es wollte nicht mehr richtig rollen. Das Windgeräusch auf den Ohren nervte und es gab nichts was mich motivierte.
Ich war sehr mit mir und der abnehmenden Leistungsfähigkeit beschäftigt. Christian wirkte noch wesentlich fitter, obwohl auch er bekundete, ziemlich am Ende zu sein.
Friesack, Brädikow, Paulinenaue... endlich waren wir im Havelland angekommen. Das Kopfkino begann wieder zu laufen, da wir nun auf mir vertrauten Wegen unterwegs waren.
Ab Nauen fuhren wir entlang der B5 nach Wustermark und von dort vorbei am B5 Center in Richtung Herrstraße. Das sparte zwar einige Kilometer, brachte aber zeitlich betrachtet keinen Vorteil, da sich der Radweg nicht wirklich flüssig fahren ließ.
Das Ortsschild und der Berliner Bär ließen keinen Zweifel daran, dass wir es geschafft hatten.
Nach offizieller Zeitmessung erreichten wir das Ziel "Wassersportheim Gatow" um 17:24 Uhr.
Müde und abgekämpft schlürften wir Kartoffelsuppe und stießen mit einem Bier auf unsere vollbrachte Lesitung an.

Distanz 274,80 km - Bruttofahrzeit 10:41 - Nettofahrzeit 09:20

Fazit: Bei einer durchschnittlichen Temperatur von 5 Grad war es doch insgesamt eine große Tortour und etwas mehr Team-Verstärkung hätte gut getan.

Kommentare:

  1. Super Leistung, das bei den widrigen Bedingungen im 2er-Team zu wuppen! War ein großes Rennradwochenende! Wiederholung spätestens am zweiten Wochenende im Oktober in maximal 365 Tagen!?

    AntwortenLöschen
  2. Adrian aus Bln.Spandau17. Oktober 2011 17:16

    Respekt, Hut ab!!! als "2er ohne Steuermann" super Leistung.

    lg
    Adrian

    AntwortenLöschen
  3. Da liegt ihr zeitlich ähnlich wie ich: 10:50h brutto und 09:11h netto sind aber noch 20min unnötige Pause mehr :-) Ob der Temperaturen war ich mit dem späten Start ja eher gut dran, aber ich hab so vieles in Deinem Bericht wiedererkannt! Nur über den B5-Radweg wär ich nie im Leben gefahren, den kenn und hasse ich schon länger!

    Auch von mir Anerkennung! Und bis nächstes Jahr :-)

    AntwortenLöschen
  4. Klasse, dass ihr das in dieser Zeit - trotz Defekt und eisigem Wetter und nur zu zweit - geschafft habt! Spannend, wie sich so einiges in euren Berichten gleicht - und wie unterschiedlich die Eindrücke doch waren.
    Ich bin auf eure Gespräche nächste Woche gespannt! Bis bald, Andreas

    AntwortenLöschen